Straßenhunde in Rumänien Homepage

Arbeitsaufenthalt in Miercurea Ciuc, Rumänien 12.3.-10.5.2011

- ein Fototagebuch -

Donnerstag, 17. März
Am späten Samstag abend bin ich in MC angekommen und war ganz überrascht, dass mich András am Bahnhof erwartete. Die Fahrt war lang und nicht immer angenehm, so war dies das Highlight des Tages. Hier liegt noch richtig viel Schnee.

Inzwischen habe ich das Haus im Tierheim einigermaßen von Mäusen und deren Dreck befreit, indem ich die Tierchen mitsamt ihren Nestern wortwörtlich vor die Tür gesetzt habe. Die alten Sessel stehen nun auf der Terrasse den Hunden zur Verfügung. Für mich selbst habe ich ein Zimmer soweit eingerichtet, dass ich schlafen und arbeiten kann. Von meinem Fenster aus habe ich einen Überblick über das gesamte Areal.

Frühmorgens im Gegenlicht

 

Ausblick

 

Es ist Tauwetter und die Hunde stehen oft tief im Matsch. TAgsüber ist die Sonne schon recht warm, aber nachts fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt.

Potter

Rüde Potter

Ausblick

Hündinnen Aissatou und Linda

 

Inzwischen habe alle 350+ Hunde einmal ganz kurz besucht, es sind so unendlich viele! Als ich ankam standen in allen Zwingern die Tiere bis an die Wolfskrallen im Schmelzwasser. Bei der oft ueberschwenglichen Begruessung spritzte mir eine ekelhafte Brühe aus Matschwasser, Urin und Schei... engegen, oft bis ins Gesicht. Die Hütten samt Stroh sind feucht, Fell und Haut vieler Hunde sehen erbärmlich aus. Etliche Hunde sind schrecklich dünn, andere unästhetisch und gesundheitsgefährdend fett.

 

Ausblick

Hündin Summer vor dem Welpengehege

Wir haben derzeit insgesamt 19 Welpen, 2 x 2 sind bei ihren Mamas, die anderen sind im Welpengehege und einige leiden an Durchfall und Erbrechen, aber noch fressen alle und haben kein Fieber ...

Von Sonntag bis heute mittag hatten wir tolles warmes Wetter und die Zwinger konnten gut abtrocknen, ich habe auch bei den Kleinen die Hütten trocken gelegt. Aber nun regnet es leider. Hoffentlich wird es nicht mehr schneien. Ich habe sehr viel vor, vor allem in den Zwingern, Andras, Erwin und die Arbeiter helfen mir dabei, wo es nur geht. Ich werde im Laufe der Woche Pläne ausarbeiten und ich hoffe am Montag können wir anfangen:
Für die Zwinger der Zone 4 brauchen wir beispielsweise neue grosse stabile Riegel aus Metall, denn während ich gestern in einem der Zwinger war, fiel der Holzriegel von aussen zu. Gleichzeitig konnten sich aus einem anderen Zwinger doch glatt vier Hunde befreien und machten Halligalli in ihrem Freilaufbereich. Jetzt weiss ich, wie sich das aus Sicht der Hunde anfühlt. Mit Hilfe eines Nagels, den ich aus der Tür herausgezogen habe, konnte ich mich dann befreien und die Hunde wieder einfangen.

Ich könnte noch furchtbar viel erzählen, es geht mir gut hier, die Hunde sind einfach toll. In 5 Tagen habe ich soviel dreckige Wäsche produziert, wie sonst in zwei Wochen. Aber nun habe ich Hunger, denn irgendwie komme ich tagsüber nicht dazu, etwas was zu essen. Ich habe noch eine Tütensuppe. ...

 

Samstag, 19.3.2011
Ich bin ganz doll in den blinden Edgar verliebt. Der wandert den lieben langen Tag am Haus herum, glücklich und zufrieden, wenn er gegen irgendwen rennt, wundert er sich immer wieder, und wenn ich im Haus bin, will er rein, ich kann ihn sogar schon ganz vorsichtig streicheln. Immer wenn ich Eddigaaar rufe, kommt er. Richtig Zutraulich.

 

Edgar

Rüde Edgar

Den Welpen gehts noch ganz gut, einige haben Durchfall, aber alle fressen und spielen noch. Morgen werde ich jedem zusammen mit Tibi Engystol verpassen und ein paar Globuli. Alleine kann ich mir nicht merken, wer denn schon dran war. Ich hoffe es wird alles gut. Einen kleinen Zwinger neben dem Junghundeauslauf habe ich vergrößern lassen, so dass ich nun mit den überwiegend jungen Hunden (4 - 5 Monate alt) ein bisschen toben kann. Das finden alle bis auf einen toll. Die neu angekommenen Hunde in Zone 1 sind inzwischen alle zutraulich bis hin zu aufdringlich. Ich hoffe morgen hat mein Tag dann 72 Stunden und ich komme mal dazu, Fotos zu bearbeiten. ...

 

Sonntag, 20.3.2011
Edgar will nun dauernd ins Haus, dort darf er die Reste aus den kleinen Cesar-Futterdöschen ausschlappern. Ich baue daraus und aus ein paar Handtüchern, Kartons und anderen Sachen einen kleinen Parcours. Er ist sehr geschickt und hat auf seine Weise Spaß daran. Heute musste er auf meinen Schoß klettern. Langsam gewöhnt er sich daran, dass ich ihn anfasse, er kennt seinen Namen und kommt auch immer angetappst. Es ist das erste Mal für mich, dass ich einen blinden Hund so erleben kann. Er scannt die Umgebung mit der Nase, aber ich glaube auch mit den Pfoten. Er ist sehr gerne draussen und besteht darauf, raus zu können.

Wir - Loredana und ich - waren gestern mit dem alten Zacharas spazieren. Als ich heute bei ihm vorbei kam, ist er sogar aufgestanden, ich glaube, er wäre gerne wieder mitgegangen. Aber ich war einfach zu müde. Ausserdem ist es saukalt, ein erneuter Wintereinbruch. Sobald es wieder warm und sonnig ist, möchte ich ihn ebenso wie Opa Jakab ans Haus holen, damit er nicht so eingesperrt ist. Die alten Hunde haben etwas ganz besonders in ihrer Ruhe und Gelassenheit, ich mag sie sehr gerne.

 

Zacharas

Rüde Zacharas

Zacharas

Rüde Zacharas und Hündin Gyösike

Mittags begann es leicht zu schneien, die drei weissen Welpen wirken so apathisch. Die Welpen machen mir große Sorgen, das Parvovirus hat zugeschlagen. Die kleine Hündin mit einem braunen und einem blauen Auge wimmert leise, spuckt und hat deutliches Fieber. Ich nenne sie SNOW. Ihre beiden Brüderchen heissen ab jetzt WHITEY und FLAKE. Flake, weil er so klein und zart ist im Gegensatz zu Whitey.

Snow habe ich hier bei mir im Zimmer, wo es warm ist. Tibi und ich haben das Welpchen mit allem, was uns zur Verfügung steht, behandelt, jetzt liegt es hier neben einer Wärmeflasche in einem Körbchen. Sie schaut sehr vertrauensvoll. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sie überlebt.

Montag, 21.3.2011
Leider ist die kleine Snow gegen Mitternacht gestorben. Ihr Wimmern wurde immer stärker, sie muss schreckliche Schmerzen gehabt haben. Irgendwann hörte das Herzchen auf zu schlagen. Es hat mich sehr mitgenommen. Heute morgen lagen mehrer Zentimeter Schnee, die im Laufe des Tages abtauten. Die Situation in den Zwingern verbesserte sich dadurch nicht.

 

Snow

Hündin Snow

Flake und White

Rüden Flake und Whitey

 

Samstag, 26.3.2011
Momentan wütet hier leider das Parvovirus ganz schlimm. Es sind schon mehrere Welpen gestorben, obwohl wir uns mir Kräften um die Kleinen bemühen, Tibi mit Vitaminen und evtl Antibiotika, ich mit Homöopathie und viel Pflege. Seit gestern habe ich ein kleines Hundemädchen - FAIRY - im Haus, ich hoffe sie hat das Schlimmste überwunden, aber drei weitere liegen unten in der Küche, und ich weiss nicht wieviele davon morgen früh noch leben.

 

Fairy

Hündin Fairy

Heute haben wir etliche Hunde umgesetzt, damit mehr Platz in den Quarantänezwingern frei ist. Der uralte Zacharas lebt nun bei mir am Haus, er ist so friedlich, genießt die Sonne in vollen Zügen und freut sich auf einen abendlichen Spaziergang mit mir. Er weiss schon genau, was es bedeutet, wenn ich mit Leine und Halsband komme. Ich glaube soviel wie in den vergangenen Tagen ist er schon seit einem Jahr, seit seiner Einlieferung in MC nicht mehr gelaufen.

Schön ist auch, dass einige Hunde, die ich zum Teil schon von Juli 2009 kenne, langsam aber sicher auftauen und ihre Scheu vor uns Menschen verlieren. Harriett lässt sich inzwischen bürsten und streicheln!

 

harriett

Hündin Harriett

Auch bei den weißen Nomins dürfte es nicht mehr lange dauern. Eine harte Nuss sind und bleiben die Bobas: Bibi, Boba, Bibo und Boris. Manchmal denke ich darüber nach, sie zu trennen, denn die machen sich ja gegenseitig bekloppt in ihrer Angst. Ausserdem sind sie klapperdürr und Boris hat einen handfesten Zwingerkoller. Aber das ist alles nicht so leicht getan wie gesagt, denn es fehlt Platz. Wir versuchen, für sie die Lebensbedingungen zu verbessern.

 

Boba

Boris und Boba

Dann ist da noch Bezi, die Süße,

 

Bezi

Hündin Bezi

djamal

Rüde Djamal

Djamal mein Patenhund, der Angst hat, den Zwinger zu verlassen, mit ihm würde ich auch gerne mal spazieren gehen, und der Aussie-Mix Party, der in seinem Zwinger schier verrückt wird. Auch um ihn muss ich mich als bekennende Freundin der Aussies und Border Collies dringend kümmern. Ach ja, und der wunderschöne, aber immer noch scheue Etienne, auch ganz mein Beuteschema .

 

Etienne

Rüde Etienne

und und und ..... Jetzt gehe ich schlafen, denn die Tage sind hier sehr sehr arbeitsreich. Aber es macht nebenbei auch viel Freude und man hat das Gefühl, in einigen Fällen etwas Sinnvolles für die Hundies zu tun, die einzeln ja meist sehr nett sind, aber als Meute auch ganz schön anstrengend sein können.

 

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