Straßenhunde in Rumänien Homepage

Das Tagebuch des Billy-Fellini-Malo

 

Mittwoch, 21.Oktober 2009
Seit Tagen drehen sich meine Gedanken im Kreis: Wie wird er jetzt wohl aussehen, was werden meine Hündinnen zu dem Kleinen sagen, wie wird er den Transport überstehen, wie wird sein gesundheitlicher Zustand sein ...
Im Juli hatte ich ihn als mageren Welpen im Tierheim MC kennengelernt und war von Beginn an fasziniert von dem schwarz-weißen Welpchen zwischen all den anderen bunten Hündchen. Meli: "Billy kam am 13.06.09 während der Kastrationsaktion an. Ich hab keine Ahnung wie und mit wem. Er war einfach plötzlich da. Super verfressen saß er zwischen 10 weiteren kleineren Welpen in einer viel zu kleinen Box. Billy war die gute Laune in Person bis zum 21.06.09, da war er plötzlich still. Er hatte Parvo, ich nahm ihn sofort mit ins Haus und versorgte ihn mit allem möglichen, inklusive Infusionen. Eine Woche, dann fing er wieder an mit Appetit zu fressen. Anschliessend zog er in die Welpenstation. Es dauerte einige Zeit, bis er damit aufhörte sich ums Futter zu prügeln, er hatte nachzuholen."

 

Jungehunde in Miercurea Ciuc

21.15 Uhr. 34 Stunden Transport aus Miercurea Ciuc in Rumänien sind endlich vorbei. Billy ist im Tierheim Velbert angekommen. Ein kleines verdrecktes Fellmonsterchen, dass sich erstmal ganz dringend lösen muss. Ich staune, was aus einem kleinen Hund alles herauskommen kann.

Er findet es vollkommen in Ordnung, dass ich ihm ein Geschirr anlege, ihn an die Leine nehme und in meine Hundebox packe. In Essen angekommen, führe ich ihn in unseren Spaziergeh-Wald, damit er dort Sheila und Shahri kennenlernen kann. Das war vielleicht etwas gedankenlos von mir, denn der Kleine kennt ja gar keinen Wald. Die hohen rauschenden Bäumen findet er erstmal gruselig. Die beiden wilden Aussies, die auf uns zustürmen und sich aussiemäßig freuen, dass ich endlich wieder da bin, verwirren ihn zusätzlich. Die jedoch kümmern sich gar nicht um ihn, sondern toben im Gebüsch herum. So schlimm kann der Wald also nicht sein, und die Gerüche ringsum sind äußerst faszinierend. Billy erschnüffelt sich seine neue Welt. Wir gehen danach alle gemeinsam ins Haus, Billy findet sofort die Küche, und legt sich unter den Küchentisch. Fertig, hier bleibe ich. Meine Mädels beschnuppern freundlich-misstrauisch den fremdartig riechenden Hund. Mit viel gekochtem Hühnerfleisch und ausgiebigen Knuddeleinheiten halte ich den Frieden aufrecht. Billy hat wohl länger nichts mehr zu fressen bekommen und knuddelnde Menschen findet er supertoll. Er ist wacklig auf den Beinen und unendlich durstig.

Fellini in der Küche

Ich bereite ihm ein kuschliges Nest in unserem geräumigen Zimmerkennel, locke ihn mit einem Stück Hühnerbrust da hinein, er streckt sich auf den sauberen Decken aus und schläft. Ruhe. Ich bin froh, dass alles trotz der ungünstigen Umstände des ersten Zusammentreffens - Dunkelheit und fremder Wald - so problemlos verlaufen ist. Ich höre in der ersten Nacht im Halbschlaf nur einmal ein leises Fiepen. Shahri "kümmert sich drum", knurrt ihn leise an und es ist wieder Ruhe.

Donnerstag, 22.Oktober 2009
In der Nacht hatte Billy wohl ein kleines Problemchen, weil er Abends zuvor so viel Wasser geschlabbert hatte. Was soll's. Die Decke kommt in die Waschmaschine. Nach dem Frühstück und einem Minispaziergang zum Pinkeln und so - der Wald ist auch bei Tageslicht noch gruselig - entdecken wir alle zusammen unseren Garten.

Jetzt ist der kleine Kerl kaum 14 Stunden bei uns, schon muss er seine erste Fotosession über sich ergehen lassen. Posieren ist ein gar nicht so einfacher Job für einen jungen Hund. Sheila hat fast ein halbes Jahr gebraucht, bis sie endlich mal ruhig sitzen blieb, wenn ich die Kamera vorm Gesicht hatte. Bei Shahri ging's schneller, sie konnte ja auch bei Sheila abgucken. Der kleine Rumäne meistert diese erste Aufgabe sofort ohne jede Scheu! Leider ist das Wetter so richtig garstig trüb und ungemütlich.

 

Fellini im Garten

 

Portrait Fellini

Ich nenne ihn Fellini

nach dem großen italienischen Regisseur, dessen Schwarzweiß-Filme wie "Das Lied der Straße" oder "Die Nächte der Cabiria" u.v.a zu meinen ganz großen Filmfavoriten zählen.

Noch ist er schüchtern, und verunsichert, aber ich sehe es ihm an, dass das nicht sein wirklicher Charakter ist. Ich bin gespannt.

Annäherung an Sheila, die ihm sofort klar macht, dass sie die Chefin im Rudel ist, und auch zu bleiben gedenkt.

Fellini und Sheila

 

Shahri beobachtet den Neuling sehr aufmerksam, denn es könnte ja sein, dass er Bälle klaut. Fellini ist seinerseits überhaupt nicht an Shahri interessiert.

Fellini und Shahri

Das erste Gruppenfoto

Shahri, Sheila und Fellini

 

Nach rund einer Stunde sind die Hunde geschafft, Fellini reagiert schon auf seinen Namen und kommt freudig mit den Hündinnen zurück ins Haus. Minuten später liegt er platt mitten auf dem Teppich und pennt. Ich glaube er ist ganz zufrieden mit seinem neuen "Zwinger".

Sheila und Shahri haben es mir vorgemacht: Erziehung beginnt in der ersten Stunde: Eingewöhnungszeit, Schonfrist? - Nein, das gibt's in der Hundegesellschaft nicht. Schon gestern abend beim vorsichtigen Erschnuppern der neuen Umgebung haben die Hündinnen ihm durch Knurren und Wegbeissen klar gemacht, dass Hundenasen und Pfoten nichts auf dem Esstisch zu suchen haben oder dass das Sofa für Hunde tabu ist,(es sei denn ich breite eine Decke aus und lade die Hundies zum Kuscheln ein!). Ich brauchte nur noch ein deutliches Nein hinzuzufügen und der Kleine hat verstanden.

Nachmittags wird der Hund gebadet, schön mit Hundeschampoo und warmem Wasser. Er lässt es einfach über sich ergehen, ohne zu mucken, zu protestieren oder zu jammern. Vielleicht genießt er es ja sogar ein wenig. Danch wird er trocken gerubbelt und ein bisschen massiert. Anschließend gibt's die erste richtige Fütterung bei uns: Hühnchen mit Reis und Dorschlebertran. Da ich noch nichts über ihn weiss, will ich es vorsichtig angehen lassen und nicht gleich rohes Fleisch und Gemüse füttern.

Seine Verdauung scheint in Ordnung zu sein, was mir Sorgen macht sind allerdings seine Hinterbeine. Er steht ziemlich x-beinig mit nach aussen gedrehten Pfoten, und zeigt eine gewisse Durchtrittigkeit, d.h. er nutzt beim Laufen nicht nur die Ballen, sondern tritt fast mit dem kompletten Fuß auf.

 

Freitag, 23. Oktober 2009
Heute nachmittag war ich mit Billy-Fellini bei der Tierärztin. Wir haben ihn gemeinsam durchgecheckt, von der Nase bis zur Schwanzspitze und ich bin froh, dass alles in Ordnung ist, nur sein Gang ist etwas unsicher. Es war unmöglich, ihn in die Praxis zu locken, ich musste ihn hineintragen. Auf dem Untersuchungstisch war er wie eine Puppe, als hätte er sich selbst abgegeben. Wenn ich mit Sheila oder Shahri zu dieser Tierärztin fahre, werden zuerst einmal alle Menschen umwerfend begrüßt und die Praxis genauestens inspiziert. Trotz der wirklich ausführlichen Untersuchung, ist er nicht einmal ungeduldig geworden, hat alles klaglos über sich ergehen lassen, erst als wir ihn vom Tisch herunter gehoben haben, hat er einmal kurz mit dem Schwanz gewedelt.

Samstag, 24. Oktober 2009
Abgesehen von der ersten Nacht in Kennel ist Fellini stubenrein! Den Waldeingang findet er immer noch unheimlich, wenn wir aber mal drin sind, ist es schon in Ordnung. Er muss immerzu schnüffeln, will alles kennenlernen und freut sich über jeden Hund, egal wie groß oder klein der ist, denn meine Mädchen sind ihm gegenüber doch eher reserviert, und wenn sie dann lostoben noch viel zu schnell und zu wild für ihn. Sie hängen ihn einfach ab. Dafür habe ich immer mal Zeit mit ihm kleine Spielchen zu machen, vor ihm wegzulaufen und mich einholen zu lassen. Wer uns so sieht, muss mich für verrückt halte, wenn ich juchze und schreie weil ein kleiner Hund hinter mir her rennt, aber schließlich ist er der dritte Welpe bzw. Junghund innerhalb von drei Jahren, da macht mir das auch nichts mehr aus.

Sonntag, 25. Oktober 2009
Sheila hat heute morgen im Haus Fellini zum Spielen aufgefordert. Ich habe einfach nur da gesessen und die Luft angehalten. Nachmittags waren wir in einer eher kurzen Wolkenpause mit Sonne auf einer großen wilden Wiese. Dort ist er regelrecht aufgeblüht.

 

Fellini schnüffelt aufgeregt

 

Ich mach' die Augen zu ...

Fellini mit geschlossenen Augen

 

... und wieder auf. Und alles ist noch da!

Mit weit geöffneten strahlenden Augen

 

Felliiini hiiier ........ ich komme

rennender Fellini

 

Sheila hält Fellini das Spielzeug hin zum gemeinsamen Zerren

Sheila und Fellini

 

rundum glücklich und zufrieden

glücklicher Fellini

 

Montag, 26. Oktober 2009
Fellini wird inzwischen überwiegend roh ernährt, (vorher bei mir Huhn mit Reis und Gemüse/Obst, im Tierheim Trockenfutter) ähnlich wie meine beiden Aussies, aber mit einem höheren Anteil an fleischigen Knochen, da ich den Eindruck habe, dass seine Beinchen immer noch etwas zu wacklig sind. Er ist auch sehr schnell müde. Er frisst alles mit großer Begeisterung, die Umstellung hat keinerlei Magen-Darm-Probleme verursacht.
Fellini ist nun geschätzte 8 Monate alt und ich vermute, dass er seine endgültige Höhe erreicht hat, in der Breite ist er wohl noch nicht voll ausgewachsen. Zur Zeit erscheinen die Hinterbeine noch länger als die vorderen. Die Hinterbeine stehen inzwischen im richtigen Winkel und sind nicht mehr so stark nach aussen gedreht. Er ist aufmerksam und bemüht sich im Haus richtig zu verhalten. Er ist ein sehr freundlicher Hund zu jedem Mensch und Tier, aber auch wachsam. Er meldet und verbellt alles und jeden, der uns seiner Meinung nach zu nahe kommt.

Höhe 47 cm, Gewicht 13 Kg, korrektes voll ausgebildetes Scherengebiss.

Dienstag, 27. Oktober 2009
Mit Sheila kommt Fellini sehr gut klar, er erkennt sie als Rudelchefin an. Mit Shahri kämpft er immer mal wieder um den 2. Platz. Werden diese Streitereien zu laut oder mal etwas heftiger, geht Sheila sofort dazwischen und splittet die beiden, was auch gut klappt. Ich unterstütze sie dabei, so gut ich kann. Leider ist Sheila mit der Situation auch etwas überfordert, sie erbricht früh morgens gegen 5 oder 6 Uhr gelben Schaum und ist furchtbar unruhig nachts. Das habe ich bei ihr schon immer mal bemerkt wenn sie Stress hat. Ich gehe daher jetzt eher dazwischen, wenn die beiden jungen Hunde im Haus anfangen sich zu zanken, und bestätige zusätzlich Shahri in ihrem Rang. Fellini muss lernen, dass er der Jüngst hier ist und sich entsprechend einzufügen hat. Ich wünsche mir, dass diese Phase schnell vorbei geht. Draussen ignorieren die Mädchen ihn, denn er ist noch viel zu langsam für ihre wilden Tobereien.

Fellini lernt schnell und kennt die Kommandos: "Hier" (befolgt er schnell und gut, natürlich mit Schleppleine), "Sitz", denn nur dann gibt's was zu fressen, und er erahnt, was "Platz" bedeuten könnte, denn mit Leckerchen in der Hand auf dem Boden klappt es immer öfter. Ich bin sehr zufrieden. Er hat auch erstaunlich schnell begriffen, was seine Decke ist, die er vor allem gegen Shahri verteidigt. Er wagt sich seinerseits aber nicht in die Körbchen der Hündinnen, obwohl sie häufig irgendwo im Raum verteilt liegen.

Donnerstag, 29.Oktober 2009
Jetzt ist Fellini seit einer Woche bei uns, und ich finde, dass er große Fortschritte gemacht hat. Es ist erstaunlich, wie schnell er sich erholt hat. Er frisst viel, schläft und träumt. Und schnarcht dabei.

Fellini muss sich immer noch überwinden, bevor er freiwillig in den Wald geht. Dann will er zielstrebig zur großen Wiese, dort fühlt er sich frei. Heute sind wir aber mal im Wald geblieben und die Hunde konnten an einem kleinen Bach spielen. Fließendes Wasser! Das kannte Fellini noch nicht. Es schmeckte zudem wohl sehr gut. Ich habe die Schleppleine eingeklinkt und so konnte er den Wald erkunden, während ich für Sheila und Shahri Bällchen geworfen habe. Dieser Platz ist unser privater Wald-Agility Parcours, mit zahlreichen umgestürzten Bäumen, die gleichzeitig als Hürden oder Steg dienen. Fellini kann nicht ausreissen, da sich die lange Leine sehr schnell verfangen würde. Ich sehe ihm seine Begeisterung und seine Entdeckungslust an. Er strahlt. Die Mädels sind mit sich beschäftigt und Fellini planscht im Wasser. Es ist ein wunderschöner Herbstmorgen.

Fellini lernt den Herbstwald kennen

im Wald

 

am Bach

 

Schöne Aussicht

 

anschließend ruhen sich Sheila und Fellini gemeinsam auf dem Teppich aus, Shahri liegt im Körbchen. Es ist so ein friedliches Bild. Ich mag mich nicht bewegen, denn sobald ich aufstehe, sind alle drei hellwach und tapsen hinter mir her: "was geschieht jetzt?"

 

Samstag, 31. Oktober 2009
Ganz allmählich zeigt er sein "wahres Wesen" , nämlich, dass er nicht gedenkt, nur ein Schmusetier zu sein. Er wird immer aufmüpfiger, testet seine Grenzen schon deutlich aus und legt sich zur Zeit immer häufiger mit Shahri an. Sheila ist weiterhin die unangefochtene Chefin, aber er kämpft um Platz 2. Noch habe ich alles im Griff, auch wenn er gerne mal zuschnappt, aber dann habe ich halt sein Schnäuzchen im Griff. Der kleine Fellini benötigt ganz deutliche Grenzen.

Ausserdem hat er eindeutig das "rumänische Dorfköter-Gen". Egal wo wir sind, wenn die Mädels auf einer Wiese herumrasen, bei uns im Garten ..., er ist der Wachhund, auch wenn sich 200 m entfernt irgendwas bewegt, oder er Stimmen hört, er ist sofort in Position und gibt Laut. Das sieht dann schon recht imposant aus.

Fellini auf der Wiese, wachsam

 

Und nach dieser anstrengenden Arbeit, ruht er sich im eigenen Körbchen aus

im Körbchen

 

Das Körbchen hat auch eine besondere Geschichte. Typisch Fellini. Bisher hatte er nur seine Kuscheldecke. Da er aber immer öfter mit den Körbchen von Sheila und Shahri liebäugelte, bin ich Donnerstag Nachmittag mit Fellini ins Zoogeschäft gefahren. Massenweise Körbchen: Neeee die will ich nicht. Das eine war zu groß, das andere zu klein, zu dick, die Farbe gefiel nicht, usw. Er hat nur rumgeknöttert. Dann habe ich dieses gefunden, ihm auf den Boden gestellt, der Herr ging rein drehte sich einmal um die eigene Achse und lag. Fertig. Wollte auch nicht freiwillig mehr raus. Also habe ich kurzerhand das Körbchen samt Fellini drin zur Kasse gebracht und für das Körbchen bezahlt. Die Verkäuferin und die anderen Kunden habe nur gelacht, und Herr Fellini hat behaglich gegähnt: Meins.

 

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