Naturheilkunde für Tiere

Die naturheilkundliche Behandlung von Tieren kann auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurückblicken. Seit über 20 Jahren behandle ich meine eigenen Hunde und Katzen auf diese Weise und alle sind bei guter Gesundheit sehr alt geworden. Vor rund drei Jahren habe ich beschlossen, eine zweijährige Ausbildung zur Tierheilpraktikerin zu machen und werde in Kürze in Essen-Stadtwald eine eigene Praxis eröffnen. Neben der Homöopathie und der Phytotherapie steht eine artgerechte Ernährung der Tiere und die Beratung der Menschen bei mir im Vordergrund, denn ich bin überzeugt, dass viele Krankheiten gar nicht erst entstehn, wenn die Tiere richtig gefüttert werden. Es gibt keine Ideal-Nahrung für alle Hunde oder alle Katzen, jedes Tier ist ein Individuum und muss dabei in seiner Gesamtheit gesehen werden.

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Gedanken zur Rohfütterung und andere Maßnahmen der Gesunderhaltung

Das wichtigste und einfachste, was ich als Hundehalterin dazu beitragen kann, ist eine vernünftige und möglichst artgerechte Ernährung, nach dem Motto: vorbeugen ist besser als heilen.

Zutaten

Einige Zutaten

Nach jahrelangem Recherchieren in Büchern, im Internet und durch mehrere Seminare im Rahmen meiner Tierheilpraktiker-Ausbildung bin ich mir sicher, dass Bones And Raw Food = B.A.R.F. eine geeignete Methode ist, meine Hunde zu füttern. Drei Jahre Praxis mit dieser Art der Fütterung haben das zusätzlich bestätigt.

Eine ganz subjektive Einleitung 

"Ein ganzer Kerl dank Chappi" - das versprach die TV-Werbung der 70-er und 80-er Jahre.. Nun, bei unserem ersten Mischlingshund Stups (ca. 1976 - 94) hat das recht gut funktioniert. Erst hat er Chappi bekommen, später die Edelvariante Pedigree Pal oder Matzinger Flocken mit Fleisch. Das war auch mir angenehmer, weil es nicht so stank. Er ist damit rund 18 Jahre alt geworden, bei überwiegend bester Gesundheit, HD, ED etc. war kein Thema, nur im Alter hat er regelmäßig Mülleimer angeknurrt. Das war dann der "senile Katarakt". Unsere Katzen wurden mit Kitekat und Whiskas gefüttert zwei sind 18 Jahre alt geworden damit, ohne je nennenswert krank zu sein.

2006. Die Zeiten haben sich geändert. Hundeernährung ist zur Wissenschaft hochstilisiert worden und - was noch viel wichtiger ist - ein Riesengeschäftszweig mit ernormen Umsätzen und hohem Konkurrenzdruck. Nach 12 hundefreien Jahren war ich von der Vielfalt der Hundefuttermittel erschlagen. Bei ihrer Züchterin bekam Sheila Pedigree Junior als Trockenfutter, was mittlerweile alsminderwertiges "Billigfutter" gilt. Matzinger Hundeflocken sind ebenso "out". Ich füttere sie weiterhin mit Pedigree Junior.

Mein Welpchen stinkt aus dem Maul und hat wiederliche Blähungen, besonders wenn sie gemütlich und entspannt neben mir liegt. Nach einigen Wochen beginnt ein Juckreiz, sie kratzt sich heftig und ausdauernd. Flöhe sind es nicht. Die Haut ist trocken und schuppig. Dank Internet lerne ich, dass auch Hunde heutzutage Allergien haben können. Erster Futterwechsel, ein teures schwedisches Markenfutter. Es wird nicht besser. Zweiter Futterwechsel, ein noch teureres deutsches Produkt ... Mein Misstrauen wächst. Der Sheila ist das egal, sie frisst alles, ihr schmeckt es, die Blähungen scheinen sie nicht zu bedrücken. Ich lerne immer kompliziertere biochemische Zusammenhänge über den akribisch genau ermittelten und unbedingt einzuhaltenden Nährstoffbedarf junger, heranwachsender Hunde, kleiner, großer oder mittlerer Rassen. Schließlich will man ja nur das Beste für sein Hündchen. Mein Misstrauen wächst weiter.

Wie konnte Stups bloss 18 Jahre alt werden, obwohl er neben seiner Dose Chappi auch Spaghetti mit Tomatensoße, Apfelpfannkuchen, mit Käse überbackenen Blumenkohl oder megascharf gewürzte Hammelknochen bei pakistanischen Freunden verputzt hat. Eigentlich bekam er alles, was bei uns übrig blieb und ist doch nicht krank geworden. Fraßen Hunde denn nicht schon seit Urzeiten neben der eigenen Jagdbeute die Reste der menschlichen Nahrung? Genau das und ihre große Anpassungsfähigkeit ist doch ihr Erfolgsrezept. Es mag sein, dass dieser Gedankengang falsch ist, er spiegelt nur meine subjektive Meinung wider. Aber eines weiss ich: der Hund ist ein Carnivor, seine Zähne und sein spezielles Verdauungssystem sind darauf ausgelegt, weder zum Zermahlen von Körnern, noch zum Verdauen von Pflanzenfasern. Im Trockenfutter finde ich jedoch überwiegend Getreide und einen geringen Anteil von Fleisch und "tierischen Nebenerzeugnissen". Im Laufe meiner Recherchen stoße ich auf

B.A.R.F.

Biologically apropriate raw food oder Biologisch artgerechtes rohes Futter sowie
Bones and raw food sind die gängigen Bedeutungen des Akronyms BARF.

Lammrippen

 

Dr. Ian Billinghurst, ein australischer Tierarzt, ist der eigentliche "Erfinder" der Fütterungsmethode BARF. Wie so viele Tierärzte hatte er im Studium gelernt, dass eine ausgewogene und gesunde Ernährung von Hunden und Katzen nur durch Fertigfutter erreicht werden kann. Doch aufgrund gesundheitlicher Probleme seiner Hunde und der Lektüre eines Buchs von Juliette de Bairacli Levy.
1984 kehrte er zur traditionellen Fütterungsmethode – Essensreste, Küchenabfälle, rohes Fleisch und Knochen – zurück. Der gesundheitliche Zustand der Hunde besserte sich, und Billinghurst war inzwischen überzeugt davon, dass Fertigfutter sich generell negativ auf den Gesundheitszustand von Haustieren auswirkt. Er entwickelte eine Fütterungsmethode, die auf rohen fleischigen Knochen und rohem Gemüse basierte. Einige Besitzer seiner Patienten übernahmen die Methode und berichteten von einer deutlichen Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands ihrer Hunde. Billinghursts Bemühungen, seine Erkenntnisse über die Tierarztpraxen zu verbreiten, scheiterten. Daher verfasste er sein erstes Buch „Give your dog a bone“, das 1993 erschien und vor allem von Züchtern in ganz Australien sehr positiv aufgenommen wurde. Auch in England und Amerika verbreiteten sich Billinghursts Ideen schnell.

Im Alter von fünf Monaten habe ich Sheila dann nach endlosem Surfen und Lesen und Rechnen "auf BARF umgestellt". Auch wenn im Allgemeinen davon abgeraten wird, habe ich ihr noch einige Zeit "zur Sicherheit" morgens Trockenfutter gegegeben, damit sie auch bloß alle Mineralien und Vitamine in der richtigen Zusammensetzung erhält. Der erste Erfolg stellte sich sehr schnell ein: Sie stank nicht mehr. Wenn Mademoiselle sich nicht gerade genüsslich in Fuchskot gewälzt hatte, roch ihr Fell sogar angenehm. Das Jucken ließ nach, verschwunden ist es jedoch erst, nachdem sie gar kein Trockenfutter mehr bekam.

Ein Jahr danach ist Sheila auf HD und ED geröngt worden und ein großes Blutbild wurde erstellt. Alles ist in bester Ordnung! Sie hat also die Wachstumszeit mit dieser Ernährungsform bestens überstanden und keinerlei offensichtliche Mangelerscheinungen. Shahri habe ich im Alter von drei Monaten von Fertigfutter auf Rohfutter umgestellt, auch bei ihr sind nach einem Jahr Knochen und Blutbild in bester Verfassung. Beide Hündinnen haben ein schönes glänzendes Fell und sind sportliche Hunde mit gut ausgebildeten Muskeln und kaum Fett. Verdauungsprobleme kennen wir nicht. Die Hunde sind draussen sehr aktiv, im Haus aber ruhig und ausgeglichen.

Um meine Hunde zu füttern, benutze ich keinen Taschenrechner, sondern habe mir einiges Wissen über die biologischen Grundlagen in der Hundeernährung angelesen und nin der Überzeugung, dass BARF keine neue Wissenschaft sein sollte: "Barfen ist einfach nur Hunde füttern" (Swanie Simon, Brimborium um BARF, www.barfers.de). "Es ist nicht entscheidend, ob der Hund ein bißchen Getreide bekommt oder 30% statt 10% Gemüse. Es ist nicht entscheidend, ob der Hund zwei Mal am Tag frisst oder nur ein Mal alle zwei Tage" (ebenda).

Ich weiss nun einigermaßen genau, was in die Hundenäpfe reinkommt, kenne alle Zutaten und verfüttere weder "Proteine" noch "Rohasche" oder "Nebenerzeugnisse", sondern Fleisch, Fett, Knochen, Gemüse, Obst und etwas Getreide. Mal Hüttenkäse dazu, ein Ei, Fisch, Yoghurt und abwechselnd Öle.

Fleisch und fleischige Knochen kaufe ich alle vier bis sechs Wochen beim Schlachthof; das sind Schlachtabfälle von einheimischen für den menschlichen Verzehr gezüchteten Tieren, meist von Rindern oder Schafen. Zuhause wird das Fleisch in Portionen verpackt und eingefroren.

Pansen

Pansenstücke

 

Einmal die Woche gibt es rohe Leber in ganz kleine Stücke geschnitten. Shahri findet große Stücke "unappetitlich". Einmal habe ich Fischköpfe vom Markt mitgebracht, aber das wollten meine Hunde leider nicht fressen.

Gemüse wird roh zubereitet und in der Küchenmaschine püriert. Vermischt mit Hüttenkäse und einem rohen Ei samt Schale plus Lachsöl ersetzt das auch einmal pro Woche die Fleischration. Meine beiden lieben es gerne mal vegetarisch. Shahri frisst sogar die Gemüseabfälle vom Kompost, daher müssen bei uns in Kartoffelschalen in den normalen Müll.

Gemüse

 

Gemüse

 

Hin und wieder koche ich einen großen Topf Leberreis mit Hühnerleber, Vollkornreis, Möhren und Gemüse: Ein sehr begehrtes Frühstück.

Leberreis

 

Die Hunde lieben es jedoch auch so, ein ganz simples Hühnchen. Die Beute wird geteilt.

hundebarf

 

Fleisch

 

Ich hoffe nun, mit dieser Ernährung meinen Hunden die beste Vorraussetzung für lebenslange Gesundheit geben zu können. Im Frühjahr und Herbst gibt es zusätzlich Kräutermischungen fürs Fell und für kräftige Gelenke, mal zur Steigerung der Abwehrkräfte Lebertran und regelmäßig als Leckerchen Bierhefe.

 

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