România 2007

In Sapântza, Maramuresch
Warum gerade nach Rumänien?
Tja, diese Frage wird mir immer wieder gestellt und ich habe keine gescheite Antwort darauf, ausser: Rumänien ist für mich so etwas wie ein zweites Heimatland, zu dem ich zwar keinerlei familiäre Beziehung habe, in dem ich aber seit 1990 über mehrere Jahre hinweg rund 13 Monate gelebt habe. In einem sozialistischen Wohnungsbau zeitweise ohne Wasser oder Strom, mit stundenlangem Anstehen vor Lebensmittelgeschäften, einem Telefon, das durch die Securitate überwacht wurde ...., aber auch abenteuerlichen Zugfahrten durch das wunderschöne Land und zahllosen Erlebnissen wie sie schlimmer oder schöner kaum sein könnten. Beim ersten Grenzübertritt 1990 hatte ich völlig unvorbereitet das schwer zu beschreibende Gefühl: das ist MEIN Land.
Rumänien ist ein Land der sozialen, wirtschaftlichen und geographischen Gegensätze, in dem das Vorgestern auf die Gegenwart trifft. Vieles dort lässt sich mit dem Begriff "Anachronismus" (Verwechslung der Zeiten) sehr treffend beschreiben. Mehr über mein Leben, Arbeiten und Reisen in România zwischen 1990 und 1997 findet sich unter: "La Revedere România" www.kunstvirus.de

Der fröhliche Friedhof in Sapânta: Auf den aus Holz geschnitzten Garbkreuzen ist in humorvollen Worten das Leben und Sterben des Toten beschrieben.
Moldavien, Raul Tazlau


In Südmoldavien liegen die Erdölfelder Rumäniens und ganz in der Nähe zeigen kleine brodelnde Schlammvulkane (Vulcanii Noroiosi) an, dass hier die Erdkruste sehr dünn ist.


Unser Übernachtungsplatz in der Nähe der Vulkane war am nächsten Morgen eine Ziegenweide.
Hier hätte Sheila zeigen können, ob ein echter Hütehund in ihr steckt. Doch sie zog es vor, sich dezent zurückzuhalten und das Hüten der Ziegen den Profis zu überlassen. Ich glaube, die Viecher waren ihr gar nicht geheuer.


Ihr Lieblingsplatz war definitiv der Fahrersitz des Landcruisers
Wir sind viel über die Dörfer gefahren: von der Maramuresch im Norden durch die Bukowina und Moldawien im fernen Osten, dann durch die südlichen Karpaten und den Nationalpark Retezat wieder zurück nach Westen.
Dabei konnte Sheila hautnahe Bekanntschaft mit unzähligen für sie "fremdartigen" Wesen schließen: Kühe, Pferde, Schweine, Hühner, Ziegen, Gänse ... alles läuft dort in den Dörfern abseits der Hauptstraßen noch frei herum.
Saliste, bei Sibiu

Eine typische Dorfansicht mit Storchennest, Pferdekutsche und Autos in Rumänien. Hier fehlt nur noch eine Sat-Antenne auf dem Bild ;)

Storchennest


Absolute Highlights dieser Reise waren stundenlange Bergwanderungen in der Wildnis der Karpaten. Während wir Menschen schon längst vor Hitze und Anstrengung ausser Atem waren, hatte sie noch scheinbar unendliche Energie, um immer weiter zu laufen. Doch sobald wir zurück zum Camp kamen, hat sie sich eingerollt, keinen Ton mehr von sich gegeben und kam nur nochmal zum Fressen hervor.
Oberhalb der Baumgrenze trifft man oft auf Schafherden mit mehreren hundert Tieren, einem halben dutzend Hunden und mehreren Hirten. Sie bleiben den ganzen Sommer dort oben und die Menschen schlafen nachts draussen bei den Herden, um sie zusammen mit den Hunden vor den zahlreichen Bären und Wölfen zu beschützen.
Das Fagarasch-Gebirge in den Südkarpaten



Während ich mit den Hirten schwatzte, stibitzte sich Sheila irgendwas Essbares aus der Tüte. Die Hirten lachten nur: So sind die Hunde!
Glücklicherweise sind die Hunde der Schäfer meistens Rüden, sonst hätten wir mit Sheila wohl größere Probleme gehabt. Immer wenn wir uns einer Herde näherten, die ja auch die üblichen Wanderwege benutzen, stürzten sich 3-5 Hunde mit lautem Gekläff auf mein armes Mädchen, das dann gleich das ganze Unterwerfungs-Repertoire abspulte. Da sie eine Hündin ist, wurde sie in Ruhe gelassen und konnte sich sogar frei inmitten der Herde bewegen. Dieser junge Rüde lief uns sogar eine zeitlang nach, um ausgiebig mit Sheila zu flirten.


Das Retezat-Gebirge im Südwesten Rumäniens

Wanderung im Retezat Nationalpark

Sheila behält immer den Überblick

Raubtierfütterung unterwegs
Wann immer es möglich war, haben wir in der Wildnis des Gebirges übernachtet, was dort auch ohne weitere Probleme möglich ist, sofern man sich an die Regeln des Campens in der Natur hält. Dazu gehört auch, dass man seinen Müll ausnahmslos wieder mitnimmt usw. Leider "vergessen" viele Menschen das, und durch diese Rücksichtslosigkeit werden die Möglichkeiten schon jetzt immer weiter eingeschränkt. Wo in den früheren Jahren noch alles frei zugänglich war (unter dem Ceausescu-Regime gab es ja weit weniger Wohlstandsmüll) finden wir jetzt Schranken und Verbote. Aber mit etwas Kenntnis der Sprache und freundlichem Verhalten dem Förster gegenüber oder einem kleinen Schwatz mit einem Bauern, ist auch heute noch sehr vieles möglich, die traditionelle Gastfreundschaft der Rumänen ist zum Glück mit dem EU-Eintritt nicht völlig verschwunden.

Auf diesem schönen Platz durften wir übernachten, da ich mit dem Förster gemeinsam sein rumänisches Lieblingsgedicht rezitieren konnte.(War ein großer Glücksfall, denn ich kenne insgesamt nur ZWEI rumänische Gedichte).
Diese vier Wochen "Abenteuer" mit dem ständigem Kontakt zu ihren Menschen haben Sheila sehr positiv in ihrem Verhalten beeinflusst. Dabei ist sie ein Stück erwachsener und "vernünftiger" geworden. Und wir sind glücklich, dass sie eine so unkomplizierte, genügsame und freudige Reisebegleiterin ist, denn das Unterwegs-Sein ist eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. Und noch viel schöner ist es mit Hund!!!!
Allerdings hat sie sich auf dieser Reise ein Stückchen Bett erobert.

Ob sie jetzt wohl "dominant" wird? Ich glaube es eher nicht