Straße in Lappland
Straße in Lappland Richtung Sarek Nationalpark

 

Während einer endlos langen, einsamen Rückfahrt aus Lappland im Herbst 2006 kam der Gedanke auf, wie schön es wäre, wieder einen Hund bei uns zu haben. Nach mehreren Jahren in Australien und USA haben wir beschlossen, vorerst in Europa bleiben.

Unseren ersten Hund "Stups", einen Kraski Ovcar-Mix, mussten wir Anfang 1994 im stolzen Alter von 18 Jahren einschläfern lassen.

Es sollte diesmal eine Hündin sein, mittelgroß, sportlich und für lange Wanderungen geeignet. Schon seit langem wünschte ich mir wieder einen Hund, der mich überall hin begleitet. Besonders Border Collies hatten mich immer wieder fasziniert, doch da ich in der Stadt nun mal keine Schafe halten kann, kommt ein Border Collie nicht in Frage. Wieder ein Hund aus dem Tierheim? - Warum nicht.

Die Suche in den Tierheimen der Umgebung und im Internet begann. Hunde aus allen Ländern Europas standen zur Vermittlung. Bilder von kranken halbverhungerten Straßenhunden in Tötungsstationen in Süd- und Osteuropa ließen zwiespältige Gefühle aufkommen...
Dann fand ich eine Anzeige einer Bochumer Tiervermittlung: Australian Shepherd Mix, weibl., 2 Jahre, aus Pflegefamilie abzugeben. In nächtelangen Internet-Sessions informierte ich mich über den Aussie und die vielfältigen Möglichkeiten der Beschäftigung mit diesen Hunden. Das war es, was ich suchte!

OK. Hinfahren und ansehen: Candy ist eine hübsche 2 Jahre junge red tri Hündin. Wir gehen eine Zeitlang mit ihr spazieren, ich versuche mit ihr zu laufen und zu spielen, aber der gewisse "Funke" springt einfach nicht über.

Im Garten der Familie säugt eine red-merle Aussie-Hündin mit einem hellbraunen und einem blauen Auge ihre Jungen im Stehen wie die berühmte römische Wölfin. Acht kleine Aussies - gerade sieben Wochen alt.
Wir wollen eigentlich keinen Welpen!

 

Cheyenne säugt die Welpen

 

Aber dann kommt Curly Sue!

Sheila als Welpe

 

Sie wackelt auf mich zu, ein bisschen misstrauisch. Sie kennt mich ja nicht. Beschnuppern. Streicheln. Und einmal kurz auf den Arm nehmen.

Ein Hundekuss! Von meiner Seite ist alles klar. Gegen alle Regeln der Vernunft. So, wie man es nie machen sollte ... Ich weiss nur, dass dies MEINE Hündin ist. Zeit habe ich jetzt auch für sie. Vor einigen Jahren habe ich schon einen Wurf Katzen groß gezogen, soviel schlimmer kann ein einziger kleiner Hund ja auch nicht sein!

Die Züchterin "warnt" uns: die Kleine "ist die kräftigste und durchsetzungsfähigste im Wurf und braucht eine sehr konsequente Erziehung!"

Hunde-Anfänger sind wir schließlich nicht, nach 16 Jahren mit einem Hund aus dem Tierheim, der eng verwandt war mit dem slowenischen Hirtenhund Kraski Ovcar: ein intelligenter, selbständiger Streuner, wachsam und zugleich mit ausgeprägtem Hütetrieb. Ein echter "Alpha-Rüde" - so hieß das damals -, genannt "Stups", weil er einen immer mit seiner Schnauze anstupste, wenn er etwas wollte. Er lebte bei uns von 1978 - 1994 und war ein idealer Begleiter auf meinen Touren durch das Ruhrgebiet als Fotojournalistin. Doch er war auch ein sehr schwieriger Hund, mit extremen Verlassensängsten einerseits, andererseits war er ständig hinter läufigen Hündinnen her und verschwand auch schon mal mehrere Tage lang.

Heute würde man ihn wohl als Problemhund bezeichnen. Damals kannte ich es nicht anders. Hundeschule? - Fehlanzeige. Nur Ausbildung mittels Stachelhalsband und Anbrüllen wurde dort angeboten: "Den Willen des Tieres brechen". Das wollte ich uns nicht antun und irgendwie haben wir es auch ohne all das geschafft! Wir hatten trotz aller Sorgen und Aufregungen ein schöne unvergessliche Zeit mit Stups. Im stattlichen Alter von ca. 18 Jahren haben wir ihm geholfen, über die Regenbogenbrücke zu gehen.

 

Zwei Wochen später: Umzug von Witten nach Essen.

Fahrt im Auto nach Essen

 

1. November 2006.
Curly Sue ist jetzt neun Wochen alt und heißt ab heute SHEILA. Sheila ist abgeleitet von dem irischen Mädchennamen Sheelagh und in Australien die umgangssprachlich-freundliche Bezeichnung für 'Mädchen oder Frau'. Jungs und Männer heißen im Outback 'blokes'.

Wow, she's a pretty sheila!

kleine Sheila im Wohnzimmer

 

Sheila mit Büffelhautknochen

 

Sheila auf der Gartentreppe

Der erste Ausflug in den Garten

Jetzt haben wir also einen Welpen.

3. November 2006, seit 3 Tagen lebt Sheila jetzt bei uns. Das erste "Körbchen" - ein alter Gummibottich mit ausgeschnittenem Eingang und mit Schaumstoff und Decken ausgepolstert wird heißgeliebt, vor allem um darin zu toben, sich wie eine Wilde zu drehen und zu kugeln. Es muss äußerst lustig sein, an den Decken zu zerren und sich in die Handtücher einzuwickeln ... um sie dann anschließend durchs Zimmer zu zerren. Aber schlafen? ... Dazu geht man schließlich ins Bett. Jetzt heisst es hart bleiben. Das Bett ist tabu, sonst wird der Hund dominant, so steht es in den Büchern. Und wer will schon einen dominanten Hund?

 

Sheila im Körbchen

 

Es ist überhaupt erstaunlich, was alles so als "Goldene Regeln" in Büchern und im World Wide Web über Welpenerziehung veröffentlicht wird: Erst essen die Menschen, dann bekommt der Hund sein Futter. OK, als die Menschen noch ihre Jagdbeute am Feuer brieten und den Hunden die Knochen übrig ließen... Aber in Zeiten von industriellem Hundefutter in Form kleiner bräunlicher Hasenköttel mit stets ausgewogenen Nährstoff-Kombinationen und dem richtigen ph-Wert halte ich diese Regel für überholt. Ich jedenfalls füttere erst den Welpen und dann kann ich in Ruhe essen.

Unser erstes und höchstes Ziel ist jetzt die Stubenreinheit.
Und das ist nicht die einfachste Übung. Tagsüber bekommen wir das recht schnell in den Griff, bis auf eine Pfütze hier und dort, aber nachts... Das Rausgehen mitten in der Nacht in diesen eiskalten Novembernächten alle drei Stunden ist für mich sehr unbekömmlich.

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